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Einst war Tango die Musik aus billigen Bars, Cafés und Bordellen, man traf sich, man umarmte einander vorsichtig - und tanzte. Heute ist der Tango UNESCO-Weltkulturerbe, seit 2009 zählt er zum schützenswerten Kulturgut der Menschheit. Was macht den Tango musikalisch aus, was macht den Tango zum Tango? Der Klang des Bandoneon, die Synkopen, die unerwartete Rhythmik, seine Akzente? Es ist die Phrasierung, die den Tango ausmacht, sagt der Gitarrist und Tangokomponist Louis Borda. Auch er schreibt gelegentlich untanzbare Tangos, ebenso, wie sein großes Vorbild, der weltberühmte Astor Piazzolla. Aber auch der Vater des sogenannten Tango Nuevo konnte in den fünfziger Jahren schon auf ein halbes Jahrhundert Tangogeschichte zurückblicken. 1935 verunglückte der Unsterbliche, El Mago, bei einem Flugzeugabsturz: Carlos Gardel, der Magier der Stimme des Tango Cancion, des gesungenen Tango, der größte Tangosänger seiner Zeit, der der Poesie seine Stimme gab. Aber auch die anderen Sänger der goldenen Epoche des Tango waren zu großen Emotionen fähig. Was wurde da eigentlich gesungen? Tango ist eben nicht nur Musik und Tanz, Tango ist auch eine Kunst der Poesie. Eine durchaus sozialkritische Poesie, zarte und eindringliche Dichtungen, die reale Zustände beschreiben. Von den Tango-Musikern der Goldenen Epoche, von den frühen dreißiger Jahren bis 1955, führt die Sendung, dann bis zum argentinischen Münchner Tangosänger Mundo Burgos. Und Lidia Borda, die Schwester von Luis Borda, Tangosängerin in Buenos Aires, erinnert mit ihrer weichen, warmen, zerbrechlichen Stimme an die große Susana Rinaldi, die mit Piazzolla sang. Wie entwickelte sich der Tango, den die hoffnungsvollen Ankömmlinge in Buenos Aires einst tanzten? Sie waren dem Lockruf in eine neue Welt gefolgt - und jetzt? Keine Arbeit am Rio de la Plata, keine Frauen, kein Geld. Wer überhaupt keine Chance sah, blieb im Hafenviertel: Eine einzigartige Mischung von Menschen traf sich hier. In diesem Hafenviertel soll Tango beim Warten vor einschlägigen Etablissements zuerst getanzt worden sein. Aus Deutschland kam ein unersetzbares Instrument, das den Tango seit seinen Anfängen prägt: Das Bandoneon, das kleine Knopfakkordeon produziert die typischen Klänge.