BR-KLASSIK

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Sonntag, 19.11.2017

23:05 bis 00:00 Uhr

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Uraufführung des Requiems "Stringeranno nei pugni una cometa" in Spoleto | Bildquelle: © Cristiano Minichiello/AGF

Bildquelle: © Cristiano Minichiello/AGF

"Klagegesänge" Musik der Welt

Sarg aus Steinen

Fremde Länder, fremde Klänge in Features, Reportagen und Interviews. Ein internationales Autoren-Team präsentiert Musik rund um den Globus, vom Porträt bis zum Konzertmitschnitt.

Klagegesänge - im Moment des Unerwarteten, wenn die Natur sich gegen den Menschen stellt, sucht die Seele eine Verständigung mit dem Überirdischen, einen Sinn, eine Antwort im Klang. Dann werden Klänge wie ein Requiem essentiell für uns, sie werden zum nötigen rituellen, zum musikalischen Beistand.
Ein Chor, der Steine in den Händen hält, sie klagend aneinander stoßen lässt und im Rhythmus reibt … Der Stein ist das Thema des Requiems der italienischen Komponistin Silvia Colasanti. Sie schrieb es direkt nach dem Erdbeben, das 2015 Zentral-Italien so schwer getroffen hat. Kurz nach den verheerenden Beben 2017 in Mexico wurde dieses Requiem in Bozen mit dem Haydn-Orchester aufgeführt. Die Komponistin Silvia Colasanti erklärt im Interview, warum sie eine Fragende, eine Zweiflerin in den lateinischen Text einfügte, eine Figur, welche die Dichterin Mariangela Gualtieri in dieser Aufführung selbst sprach. Steine, Salz und Wüste - oder auch Verwüstung … Ein spiritueller Gesang stammt von einem Dichter des 13. Jahrhunderts aus dem Iran vom persischen Dichter Saadi Shirazi. Die Poesie von Saadi wird angestimmt von der bekannten persischen Sängerin Parissa gemeinsam mit dem Dastan-Ensemble. Der Schmerz um Haiti wird besungen von der Sängerin Toto Bissainté. Auch Japan wurde in den vergangenen Jahren Opfer einer Katastrophe, Toru Takemitsu schrieb ein Requiem ... Unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Formen der Toten-Klage erklingen in dieser Sendung.

Klagegesänge
Von Friederike Haupt

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